Intelligenz oder Illusionen?

Intelligenz – Das ist so ein schwammiger Begriff. Mit was genau wir sie definieren, darüber ist man sich nicht einig. Nach der kurzen Lektüre einiger anerkannter Ideen fällt mir auf, das sie oft mit kognitiven Fähigkeiten verbunden wird; Wie ein Mensch lernt, wie gut er versteht, wie er selbst denkt, wie er einschätzt und bewertet. Das sind eben diese vagen Beschreibungen, über deren genaue Bestimmung sich die Psychologen streiten. Worüber sich aber alle einig sind, ist, dass der Mensch, dass wir die intelligenteste Art der Erde seien. Und darüber möchte ich mich jetzt streiten.

Oft passiert es uns, das wir das Gefühl bekommen, nur von Idioten umgeben zu seien. Manchmal geben wir auch zu, dass wir selbst dazu gehören. Meistens aber sind es die anderen. Und doch, objektiv und im Ganzen betrachtet, verhalten wir uns selten intelligent. Wir verplanen unsere Zeit, wir arrangieren Termine, wir kaufen und konsumieren, arbeiten und faulenzen, verdienen Geld und geben es aus, essen und schlafen und all das in einer Art Rausch. Wie oft wissen wir abends nicht mehr, was wir mittags gegessen haben? Wie oft verlieren wir die Perspektive, sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? „Ich brauche Arbeit“ schreien alle, obwohl sie vielmehr das Geld wollen, das sie dadurch verdienen würden. Und auch das Verlangen nach Geld und Besitz wieder erweist sich, zumeist im mittleren Alter, als Trugschluss. Leben im Konsum, im Überfluss, im Rausch, unter Drogen. Wer entsagt schon Alkohol und Zigaretten, Fernsehen und Internet? Wer fixiert sich auf seine Ziele, auf seinen Weg zum Glück und zur Freude? Viel zu oft sind wir abgelenkt durch all diese Begehren, die uns (so habe ich das Gefühl) mehr eingepflanzt werden, als dass wir sie selbst produzieren würden.

Was hat all das mit Intelligenz zu tun? Richtig, nicht viel! Wir glauben, die Dinge in der Hand zu haben. Wir glauben, Individuen zu sein. Wir glauben wahlweise an Gott oder die Hoffnung. Wir glauben, besser geworden zu sein mit all der Technik, die uns kreative Geister und der Kapitalismus gegeben haben. Aber das ist das Problem: Wir glauben, anstatt zu wissen. Zehntausende von Jahren haben Menschen Wissen angehäuft, und doch fühlen wir uns heute unsicherer und verlorener der je. Die Techniken wurden komplizierter, mit ihnen die Gesellschaft. Was wollen wir, wozu sind wir hier, wofür leben wir? Kaum einer kann diese Fragen beantworten. Anstatt also diese wichtigen Antworten zu finden, fanden wir Lösungen für technische Probleme. Wir bauten warme Häuser und kalte Kühlschränke, erfanden das Rad und den passenden Antrieb dazu, wir bewegen uns auf Land, auf und im Wasser, in der Luft und sogar im Weltraum. Wir bauten Maschinen und Computer, fanden Elektrizität und das Vakuum, nutzen Hydraulik und Plasmen, spalten die Welt auf in die kleinsten Teilchen und spalten auch diese. Und damit kamen all diese Illusionen auf.

Diese Illusion vom Menschen als „Herrscher über die Natur“, diese Illusion von „der Erde als Untertan des Menschen“, „die Eroberung des Alls“ und so weiter und so fort. Wo sind wir angekommen? Ein Sturm reicht, um unsere Häuser zu zerstören, ein Virus reicht, um Millionen zu töten, ein Stromschlag reicht, um unsere System lahmzulegen. Immer wussten wir es. Die meisten zumindest wussten immer, das sie nie sicher waren. Diese halbe, gefühlte Sicherheit gab die Technik in Massen, aber Antworten auf unsere brennendsten Fragen dafür um so weniger. Und so steigerten wir uns hinein in unsere Illusionen – mit Glauben an und Hoffnung auf Besseres – und erfanden die Drogen, die uns das Wichtigste vergessen lassen; Alkohol, Tabak, Marihuana, Fernsehen, Radio, Klatschmagazine,… Diese sind es, die uns zu den lebenden Leichen machten, die wir heute sind.

Während wir diesen Illusionen zur Erschaffung einer besseren Welt nachgehen, vergessen wir, dass sie schon da ist. Jedes Sein baut auf dem Nichtsein etwas anderen auf. Der Fuchs nährt sich von Hühnern. Die Kuh nährt sich vom Gras. Der Produzent nährt sich vom Kunden. Wenn es dem einen besser geht, geht es dem anderen schlechter. Und doch funktioniert das, aber auch nur so lange, wie ein Kreislauf eingehalten wird. So lange Menschen glauben, sich mit ihren Errungenschaften diesem Kreis entzogen zu haben, wird alles andere darunter leiden, bis es stirbt. Und dieses wird der Moment sein, in dem wir Menschen lernen, wo wir stehen: Dass wir immer noch Teil der Erde sind, dass sie uns ernährt und nicht umgekehrt. In Einem Kreislauf gibt es keine Ecken, weder ein Oben noch ein Unten. So gibt es auch keinen Herrscher. Illusionen!

Nun stelle ich fest, dass wir anscheinend die einzige Art sind, die das nicht begreift. Die „intelligenteste“ Art des Planeten scheint der Verursacher für radikale und andauernde Zerstörung und Ungleichheit zu sein. So gesehen haben wir es nicht fertig gebracht, uns einen eigenen Ast im Stammbaum der Welt zu züchten, wir haben nur eine Säge gebaut, die an dem Ast, auf dem wir von Anfang an standen, sägt.

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Ein Gedanke zu „Intelligenz oder Illusionen?

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