Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 1

Ich möchte unter dem Titel „Wenn ich König von Deutschland wäre“ (frei nach dem Prinzen-Lied, das alle Jahre wieder im Radio läuft) in Zukunft eine Reihe von Texten zusammenfassen, die im Großen und Ganzen meine Wünsche für die Zukunft meines Landes beinhalten. Im ersten Text dazu befasse ich mich heute mit dem wichtigsten Thema: Bildung.

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Ich habe mich vor Kurzem mit einer Freundin darüber unterhalten und sie hat mich auf zahlreiche Ideen gebracht. Obwohl sie kein Deutsch spricht und dementsprechend diesen Text hier nicht lesen kann, sende ich hier erst einmal ein öffentliches Dankeschön! Aber nun zum Thema: Wie stelle ich mir ein gutes Schulsystem vor? Und wann überhaupt ist ein Schulsystem gut?

Mir ist bei meinen Überlegungen ein Konflikt aufgefallen: Keine Bildung lässt Leute dumm, die falsche Bildung aber auch. Im übertragenen Sinne steht hier also: Ob du zur Schule gehst oder nicht, du bleibst dumm. Nun meine ich mit „dumm“ nicht unintelligent, sondern lediglich ungebildet. Was damit einhergeht ist ein beschränkter Horizont; Wer nie andere Kulturen kennen gelernt hat, hat niemals andere Sichtweisen des Lebens gesehen. Wer nie Neues ausprobiert hat, ist nie über die Gewohnheit hinausgegangen. Es passt das bekannte Sprichwort: Wer nichts riskiert, der stets verliert. Nun wird es witzig: Wir alle sind gebildet, doch wem kommen diese Beispiele nicht bekannt vor? So viele Menschen haben genau diese Probleme; Sehen nie Anderes, probieren nie Neues, riskieren nichts und sind trotzdem unglücklich in ihrer vermeintlichen Sicherheit, ihrer Komfortzone. Kurzum: Trotz Bildung hat sicher jeder von uns in einigen wenn nicht sehr vielen Bereichen einen beschränkten Horizont. Oder eben aufgrund der Bildung?

Schule ist Erziehung. Erziehung wiederum ist beim besten Willen nichts anderes als Manipulation. Nur wird diese in unserem System nicht von wohlwollenden Eltern vollzogen, die sicherlich auch nicht alles richtig machen würden, sondern vom Staat, der den Lehrplan vorgibt. Was für Interessen hat Vater Staat? Nun, offensichtlich genau die, die in der Schule von heute verfolgt werden: Grundfähigkeiten erlernen, Spezifizieren, Auswendig lernen, Rezitieren, Niederschreiben und zur Bewertung freigeben, Prüfungen absolvieren, Auszeichnungen und Diplome abholen und sich dann geschmeidig in den Arbeitskreislauf einfügen, um ein nützliches Glied der Gesellschaft zu sein. Was dabei vergessen wird ist, dass der Nutzen damit auf den finanziellen Erwerb beschränkt wird. Wer nicht produziert, wer keinen Gewinn abwirft und nicht systemkonform ist, der ist nicht nützlich. Das sind die Leute, die als Künstler, Bezieher staatlicher Subventionen oder Kriminelle enden. Und keiner dieser Begriffe ist hierbei abwertend gemeint.

Wir sehen also, dass beide Ideen – Bildung und keine Bildung – eine Tendenz zur Beschränkung des Geistes haben. Das wird vor allem deutlich, wenn sich Schüler mit mathematischen Funktionen, Osmose und Gedichtinterpretationen beschäftigen müssen. Mein Schulabschluss ist zwar noch nicht einmal ein Jahr her, aber jetzt schon habe ich das Gefühl – und sehe mich vielerorts bestätigt -, dass ich in meinem ganzen Leben nie wieder ein Gedicht interpretieren werde. Davon abgesehen scheint Schule heute eine absolute Zeitverschwendung zu sein, gemessen an der allgemein bekannten Zahl von 80% des Schulstoffes, den man angeblich und spürbar wieder vergisst.

Wir sehen also wieder einmal, dass hier das eigentliche Ziel verfehlt wurde. Die Schüler behalten das eingetrichterte Wissen aus zehn bis dreizehn Jahren Schule nicht, schon aus dem simplen Grund, weil sie es nur bis zur nächsten Prüfung im Arbeitsspeicher belassen und danach für Wichtigeres Platz schaffen. Die Schüler lernen für Prüfungen, dann für Abschlüsse, dann für Berufe aber an keinem Punkt für das Leben! Aber an dieser Stelle reicht es sicher, wenn ich zu meinem für mich überaus wichtigen und doch wenig beachteten Eintrag über die Wurzel des Problems verlinke.

Aber keine Bildung ist schlechter Bildung auch nicht wirklich vorzuziehen, oder? Ich denke, wir müssen einen Mittelweg finden. Neben dem typischen Lehren, das durchaus Grundwissen vermittelt aber langweilig wird, sobald man tiefer in die Materie einsteigt, muss eine andere Art zu lernen auf dem Plan stehen: Die Schule sollte Köpfe nicht nur füllen, sondern auch inspirieren. Wenn wir alle nur das wiederholen und kopieren – am besten noch Wort für Wort -, was uns gesagt wird, werden wir nicht gebildet sondern, wie schon gesagt, manipuliert. Große Werke kommen aus dem eigenen Geist, aus den eigenen Ideen und der eigenen Kreativität. Das ist es, was die Schule fördern sollte. Und eben diese sind es, die die Menschheit voran gebracht haben: Mozarts Sinfonien, da Vincis Erfindungen, Einsteins Theorien, Marie Curies Experimente, Picassos Gemälde, Erhards Reformen, Gandhis Widerstand, Mutter Theresas Aufopferung, Fosters Gebäude, Aristoteles Berechnungen, Freuds Forschungen, Darwins Beobachtungen und so weiter und so fort. Das alles sind Beispiele für Menschen die nicht das wiederhol(t)en, was schon einmal jemand sagte oder tat, sondern weitergehen/-gingen auf ihrem eigenen Weg. Genau darum geht es im Leben auch: seinen eigenen Weg gehen. Die Schule sollte uns diesen Weg aufzeigen, aber sie kann uns nicht führen, denn woher sollte sie den Weg jedes einzelnen Menschen kennen?

So viel zur philosophischen Vorbereitung auf meine Idee eines alternativen Systems. Im zweiten Teil werde ich auf konkrete Aspekte eingehen. Kommentare sind gern gesehen!

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5 Gedanken zu „Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 1

  1. Pingback: Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 2 | Nachdenk-Blog

  2. Pingback: Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 3 | Nachdenk-Blog

  3. König von Deutschland ist von Rio Reiser http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig_von_Deutschland ,wie hier nachzulesen ist. Trotzdem sind das interessante Gedanken, die Du hier niedergeschrieben hast. Sicher ist auch einige berechtigte Kritik am heutigen Bildungssystem dabei und gegen die Baustelle Bildungssystem wirken der BBI und S21 wie einfache Legobausätze, bei denen man nur den Bauplan falsch herum gedreht hat, aber es tut sich auch eine ganze Menge. Schüler müssen heute Methoden lernen, das ist weit wichtiger als Wissen. Also ist nicht das Lernen eines Gedichtes um des Gedichteswillen nötig, sondern für die Methode etwas auswendig erlernt zu haben und dann präsentieren zu können. So gibt es viele andere Methoden die heute notwendig sind um das Leben zu meistern. Letztlich geht es darum das Lernen zu lernen. Wissen über Fakten ändern sich erstens oft mit der Zeit und zweitens sind Fakten oftmals im Internet rund um die Uhr weltweit abrufbar. Die sehr ausgeprägt auf den Beruf angelegte staatliche Bildung hängt übrigens auch damit zusammen, das es in einer modernen (und arbeitsteiligen) Gesellschaft kaum anders machbar ist. Zurück zu den Sammlern und Jägern können wir nicht. Aber vielleicht hast Du ja die zündende Idee wie Bildung nach dem Humboldtschen Bildungsideal zu verwirklichen ist. Bin sehr gespannt mehr von Dir zu lesen. LG aus Berlin

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