Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 2

Herzlich willkommen im zweiten Teil meiner kleinen Bildungsreise! Teil 1 ist hier zu finden.

Was also beinhaltet meine Idee konkret? Wir erinnern uns: Inspiration anstatt Trichtermethode. Die Jugend interessiert sich selten für das, was ihr in der Schule gelehrt wird. Meiner Ansicht nach ist es keineswegs die Schuld der Jugendlichen. Die Lehrkonzepte vereinfachen sich zunehmend auf abschreiben und kopieren, büffeln, Prüfung schreiben, nächstes Thema. Das ist weder sinnvoll noch effizient! Des weiteren wird vieles gelehrt, ohne das den Schülern beigebracht wird, zu welchem Zweck. Kann man es da jemandem verübeln, dass er unaufmerksam ist?

Nützliche Fächer und Kurssystem

Die vielerorts vierjährige Grundschule kann meiner Meinung nach bleiben, wie sie ist. Sie vermittelt Grundwissen, Grundfähigkeiten und bieten einen Einstieg in verschiedene Materien. Danach aber wird es kompliziert: Auf den weiterführenden Schulen werden die Themen zunehmend konkreter, theoretischer, langweiliger. Es wird eine Menge Wissen vermittelt, das kein Mensch braucht. Ich hätte gern ein Kurssystem, in dem man je nach Interessengebiet verschiedene Dinge wählen kann. Es sollte dabei auch Angebote geben, die heute weniger denn je von Eltern gelehrt und doch mehr denn je von der Schule vorausgesetzt werden. Es sollte Wissen vermittelt werden, das einen im Leben, nicht nur im Beruf weiter bringt. Dazu zählen vermeintlich simple Dinge wie Kochen, eine Sicherung auswechseln, Fahrradreifen flicken, Wäsche waschen. Ja, Wäsche waschen! Wie viele von uns kommen aus der Schule und haben nie im Leben für sich selbst gesorgt, weil die Eltern alles gemacht haben. Auch Kochen wird heute auf ein Minimum reduziert, weil wir vieles als Fertignahrung kaufen. Schon mal überlegt, dass vielleicht das der Grund ist, warum viele die Harmonie zwischen zu dick und zu dünn nicht mehr finden? Sie wissen gar nicht mehr, was gut und richtig ist! Auch einen Fahrradreifen zu flicken ist wichtiger als es aussieht. Wer nicht weiß, wie man die kleinen Probleme im Haushalt löst, muss für jede Kleinigkeit einen Spezialisten bezahlen. Das muss doch nicht sein, oder?

Level freigeschaltet!

Solche Fächer möchte ich gern neben den klassischen anbieten. Nicht mit der Vorgabe: „Wähle das, womit du später Geld verdienen möchtest.“ sondern „Wähle das, was in der Reihe deiner Fähigkeiten noch fehlt.“ Es geht um die Erweiterung des Horizonts! Man könnte das Ganze gar als ein Spiel gestalten, in dem Abzeichen und Freischaltungen vergeben werden. In den USA gibt es bereits ein solches Experiment, das sehr gut funktioniert. (Klick hier.) In einem solchen Falle könnte ein Schüler zum Beispiel „Biologie Niveau 1“ wählen und nach der Fertigstellung des Kurses den Zugang zu Level 2 erhalten. Wenn ihm der Kurs nicht gefallen hat, könnte er etwas anders wählen. Man könnte auch die genannten Beispiele (Sicherung auswechseln, Fahrradreifen flicken, Wäsche waschen) unter Haushalt zusammenfassen und dabei ebenfalls verschiedene Niveaus anbieten. Kochen und Backen könnte definitiv als einzelnes Fach durchgehen und nebenbei ausgewogene Ernährung abdecken! Warum nicht französische Küche auf Level 3, arabische auf Level 5 und die exotischsten und kompliziertesten Gerichte auf Level 8?

Kein Prüfungsdruck

Eine Auszeichnung, ein neuer Zugang, „Level Ups“ und „Quests“ in Computerspiel-Manier sind eine ausgezeichnete Möglichkeit, Menschen anzutreiben. Auch dazu kann ich nur noch einmal das oben verlinkte Video empfehlen! Es ist vor allem im Gegensatz zu Prüfungen und Zensuren eine positive Möglichkeit. Letzteres möchte ich abschaffen. Prüfungen erzeugen Angst, Zensuren erzeugen Druck. Und letztendlich führen Sie nur alle auf den Schulabschluss hin, nicht auf das Leben. Dafür gehen wir aber nicht zur Schule! Auszeichnungen für gute Leistungen (nur für gute!) spornen außerdem an. Es gibt nichts zu verlieren, nur zu gewinnen! Ich bin außerdem der Ansicht, dass einige Fächer und die Schule im Allgemeinen ohne den Prüfungsdruck an Anziehungskraft und „Coolness“ gewinnen würden. Schule muss interessant sein!

Kritisch und alternativ denken, Einbringung

Außerdem halte ich es für wichtig, Fächer einzuführen, die die Entwicklung von Gedankengängen zulassen. Man sollte sich mit anderen Kulturen und Denkweisen beschäftigen, um kritisches Denkvermögen und neue Ansichten zu fördern. Wohlgemerkt, wir haben manchmal das Gefühl, dass unsere Regierung das nicht möchte und die Medien noch viel weniger, aber eben das sagt uns, warum das so wichtig ist! Selbst so grundlegende Dinge wie die Marktwirtschaft, das traditionelle Arbeits- und Rentenmodell und das Regierungssystem sollten hinterfragt werden.

Außerdem sollte der Unterricht, inklusive Inhalt, mehr von den Schülern selbst gestaltet werden. Punkte sollten vergeben werden für neue Ideen und Einbringungen, für alternative Vorschläge und Gedanken. Projekte und Aufgaben sollten vergeben werden und die Kreativität fördern. Ich halte es für möglich, dass auf diese Art auch Prozentrechnung hochinteressant werden kann!

Kollaboration, Aufbrechen der Klassen nach Alter

In Montessori-Schulen lernen jüngere Schüler zusammen mit älteren. Das fördert den Umgang miteinander und das Verständnis für andere Altersklassen. Das würde sich bei meiner Idee aus Prinzip ergeben; Wer Biologie Niveau 1 nicht in der fünften, sondern erst in der siebten Klasse wählt, arbeitet dementsprechend größtenteils mit Fünftklässlern zusammen. Das wäre ein großartiger Weg um zu lernen, anderen zu helfen und sich helfen zu lassen, unabhängig vom Alter.

Darüber hinaus hätte ich gern eine Zusammenarbeit zwischen den Fächern; Wer etwas bestimmtes im Französischunterricht erreicht, sollte sich damit einen Vorteil in Sachen französischer Küche verschaffen können. Wer Nervenphysiologie in Biologie belegt, sollte dadurch gleichzeitig Punkte in Physik und Chemie verdienen, da es nach meiner Erfahrung stark mit der Elektrizitätslehre und der chemischen Übertragung von Spannungen zusammenhängt.

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Ich hätte es lieber, wenn der Stoff nicht bis ins kleinste Atom verfolgt würde (abgesehen von Chemie; Achtung Witz!) sondern, dort wo es sich anbietet, eine letzte Auszeichnung nach zum Beispiel 6 Jahren vergeben wird, die somit als Abschluss in diesem Fach fungiert. Oft, vor allem in den Ingenieurswissenschaften, beschweren sich tatsächlich Professoren, dass die Studenten vieles nur wiederholen. Der Stoff muss dann aber trotzdem behandelt werden, denn er steht auf dem Lehrplan.

Davon abgesehen gibt ein kürzerer Kurs auch die Möglichkeit, erst ein paar Jahre später einzusteigen und trotzdem den vollständigen Abschluss zu schaffen. Das wiederum sorgt dafür, dass, wie schon oben genannt, ältere und jüngere zusammenkommen und lernen, miteinander umzugehen.

Nach der Sekundarstufe

Ich würde gern eine Schulzeit von entweder 10 oder 12 Jahren für alle festlegen. Jeder sollte die gleiche Zeit haben, Dinge zu lernen und dann die gleichen Möglichkeiten, natürlich je nach Ausrichtung, in Angriff nehmen können. Man sollte nicht zwischen Ausbildung und Hochschule unterscheiden. Ich möchte, dass jeder einfach das fortführt, wofür er sich in der Sekundarschule qualifiziert hat. Dann gibt es nicht mehr diese arrogante Grenze zwischen Abiturienten, die mit besten Aussichten auf die Uni gehen und Realschülern, denen das verwehrt bleibt. Alle sollen auf der gleichen Schule sein und auf den gleichen Schulen weiter lernen. Und jemand, der sonst auf die Uni gegangen wäre, weil die Gesellschaft ihn dazu zwingt, sollte eine Ausbildung zum Schreiner machen können, wenn es das ist, was ihn glücklich macht!

Schlusspunkt

Zuletzt kann ich noch die üblichen Beschwerden hinzufügen; Kleinere Kurse, genug Zeit, individuelles Lernen, kreative und interessante Unterrichtsweisen, Lehrer mit Passion, genug Geld für Materialien und so weiter und so fort.

Ihr dürft auch gern noch eure Ideen hinzufügen, ich würde mich darüber freuen! Zu einer Interpretation meiner Absichten und vermeintlicher Kritik komme ich in Teil 3!

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Ein Gedanke zu „Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 2

  1. Pingback: Wenn ich König von Deutschland wäre: Bildung Teil 3 | Nachdenk-Blog

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