Sinnloses Gezwitscher!

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, so sagt man. Heute scheint es trotz allem aus der Mode geraten zu sein. Die meiner Ansicht nach amerikanische Lebensart, die mit möglichst viel reden aber möglichst wenig sagen daherkommt, hat sich nun überall ausgebreitet. Twitter ist das beste Beispiel dafür.

Das Netzwerk mit dem hellblauen Vogel gerät im Vergleich zu Facebook und Google+ und trotz seiner Größe kaum in den Mittelpunkt von Diskussionen. Bei Facebook kann man sich ständig über den Datenschutz beschweren und von Google+ ist nichts Besseres zu erwarten. Von Twitter ist in dem Metier nicht die Rede. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt irgendwelche streng geheimen und bisher unveröffentlichten Informationen dazu hätte. Mir geht es um den Inhalt. Twitters System sieht vor, dass jeder Eintrag nur maximal 140 Zeichen haben kann. Es ist dementsprechend sicher zur Übertragung kurzer, klarer Informationen geeignet.

Ich selbst hatte für mein Blog bisher ein Twitter-Konto, habe es auch immer noch, werde es aber ab jetzt nicht mehr nutzen. Zugegeben, die Tatsache, dass mein globales Maximum an Followern bei 18 lag, mag ihren Einfluss auf meine Entscheidung gehabt haben. Vor allem aber schreibe ich ganze Texte, deren Inhalt sich nicht in 140 Zeichen abzüglich URL zusammenfassen lässt. Twitter ist ein Netzwerk für sogenannten Smalltalk, für kurze, aus dem Zusammenhang gerissene Schnipsel des Lebens, zusammengekürztes Geschreibsel wie zu Zeiten der SMS.

Wie ich schon sagte, es hat seinen Sinn. Nämlich für alle, denen kurze Statusmeldungen genügen: Nachrichtenagenturen, Politiker, Stars und Sternchen, die ihre Verehrer auf dem Laufenden halten wollen, aber doch nicht so bescheidene Blogger wie mich. Also bitte. Davon abgesehen scheinen Twitter-Nutzer vor Allem an persönlichen Geschichten interessiert zu sein, warum auch immer sie das angeht. Ich bin von Haus aus niemand, der über Twitter jeden Kleinkram an den Mann bringen muss.

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr einfach ist, Follower zu gewinnen, wenn man nur oft genug zwitschert. Oft genug! Der Inhalt scheint nebensächlich zu sein und genau das ist das Problem: Wir haben zwar nichts zu sagen, wollen aber trotzdem, dass uns jemand zuhört. Dadurch kommen dann die witzlosesten und leersten Statuseinträge vor allem bei Twitter, aber auch in anderen Netzwerken zustande. Selbst hier auf meinem Blog fühle ich mich manchmal genötigt, etwas zu schreiben, nur um den Verkehr nicht zum Erliegen zu bringen.

Was für ein Unsinn. Ich achte ab jetzt darauf, nur noch den Mund zu öffnen, wenn ich etwas zu sagen habe.

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