Im Gespräch mit einem Iraner

Als ich in St. Catharines war, hatte ich mir über Couchsurfing bei einem Studenten aus dem Iran eine Übernachtung organisiert. Farzan wohnte zusammen in der WG mit Yusef – ebenfalls aus dem Iran – und Shomo aus Ungarn. (Den Namen habe ich höchstwahrscheinlich falsch geschrieben.) Ich habe die Gelegenheit gepackt um nicht nur „Du hast sehr schöne Augen.“ auf Persisch, sondern auch die iranische Kultur kennen zu lernen und ein paar dringende Fragen über den Iran und Israel zu stellen.Farzan hatte ein Menge zu erzählen über die Unterschiede zwischen den Kulturen. Er selbst sei nach Kanada gekommen, um Mathematik und Physik zu studieren, habe aber festgestellt, dass das kanadische Schulniveau niedriger sei als das iranische. Anscheinend funktioniert es im Iran wie bei uns: Man kann zwischen verschiedenen Niveaus wählen, von denen nur eines (sprich das Gymnasium) zur Universität führt.

Er sagte außerdem, dass der Mensch im Iran wesentlich unfreier sei. Auf der Straße entspräche alles den islamischen Bräuchen – Verschleierung, kein Körperkontakt zwischen den Geschlechtern, kein Alkohol – aber im privaten Bereich würde das alles nahezu über den Haufen geworfen. Ausgelassen zu feiern sei verboten aber trotzdem üblich, solange sich die Polizei dessen nicht bewusst wird. Wer sich auch als Ausländer nicht den religiösen Vorschriften anpasse, könne Probleme bekommen.

Leute, die den Iran besuchen kommen seien sehr überrascht, wie grün er sein kann. Entgegen der Darstellung in unseren Medien gäbe es dort wohl nicht nur Wüste, sondern durchaus Schneestürme im Westen, trockene Landschaften im Süden und mildes Klima im Norden – alles zugleich! Die Temperaturen pendeln wohl je nach Region zwischen 50°C im Sommer und -40°C im Winter.

Im Iran spricht man Persisch, das mit dem arabischen Alphabet geschrieben wird. Interessanterweise sagte Farzan, dass es ursprünglich das iranische Alphabet sei, das überall im Mittleren Osten nur übernommen und später als das arabische deklariert worden sei.

Aber wie sieht es nun aus mit Israel und dem Iran? Farzan hasst wohl beide Regierungen und hält ihre Streitigkeiten für religiösen Unsinn – er selbst sei Atheist. Der zentrale Konflikt, so sagt er, sei der Felsendom in Jerusalem: Er ist ein bedeutender Ort für alle drei großen Religionen. Vor 3000 Jahren soll der erste jüdische Tempel als das allerheiligste Symbol für den Himmel und Gott hier errichtet worden sein. 586 v. Chr. wurde er bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. zerstört und 516 v. Chr. von den Juden wieder aufgebaut. 70 n. Chr. wurde auch dieser Tempel im jüdisch-römischen Krieg zerstört. Ein römischer Tempel, der später zur christlichen Kirche wurde, wurde an seiner Stelle gebaut. Für den Islam ist es der Ort, an dem Abraham seinen Sohn geopfert haben und Mohammed in den Himmel aufgestiegen sein soll. Das jüdische Volk hofft bis heute darauf, dass ihr Allerheiligstes, der Tempel von Jerusalem, wieder aufgebaut wird. Das wiederum sei Farzans Ansicht nach der zentrale Konflikt zwischen den Religionen.

Ich habe ihn gefragt, ob es einen Krieg geben wird. Er hielt es für wahrscheinlich. Er sagte außerdem, dass der Iran wohl der Angreifer sein würde, denn Israel habe schon immer geschickt genug gespielt, um sich selbst als Angegriffenen darzustellen.

Ich möchte das jetzt nicht weiter kommentieren; Jeder soll seine eigene Meinung darüber finden.

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