Abstrakt essen

Ich versuche selbst, viel zu kochen und daher eher grundlegende Lebensmittel – Obst, Gemüse, Getreide, Gewürze – anstatt Fertignahrung zu kaufen. Daher bin ich auch gern auf Märkten oder in speziellen Tante-Emma-Läden unterwegs. Ab und an muss ich dann aber doch in die großen mir so verhassten Läden gehen und dabei ist mir vor Kurzem aufgefallen, wie abstrakt unsere Warenwelt mittlerweile geworden ist.„Warenwelt“, das ist schon so ein abstraktes Wort. Sollte ich nicht von „Nahrung“ oder wenigstens ganz plump von „Essen“ reden? Ja und nein; Zumindest ähnelt das meiste, was wir auf die Fließbänder legen, kaum noch an Nahrung. Selbst Obst und Gemüse gibt es kaum lose; Zumindest hier in Kanada ist jede einzelne Gurke in ihre eigene Folie eingeschweißt. Nun ja, Privatsphäre muss sein. Dann gibt es die Produkte, die zwar verpackt, aber noch sichtbar sind. Das sind Nudeln in Plastikverpackungen, Marmelade in Gläsern oder Gewürze in den kleinen Beuteln oder Dosen. Dann gibt es die, die ganz verschlossen sind; So etwas wie Mehl, Tiefkühlkost oder Schokolade. Den Höhepunkt bilden dann die Produkte, die nur eine Zutat sind, aber mit dem fertigen Produkt auf der Packung dargestellt werden; Puddingpulver, Backmischungen…

Hier in Amerika wird das noch weiter getrieben; Hier ist es sogar die Regel, sich Nudeln oder Ähnliches mit „Hähnchen“- und „Steak“-Geschmack auszuschmücken. Auf der Packung ist letzteres dann auch abgebildet, aber drin ist, wie man weiß, nicht viel davon. Und doch verfehlt es seine Wirkung nicht. Ich frage mich, ob der Durchschnittskäufer überhaupt weiß, dass ihm da mit allerlei Chemikalien etwas vorgegaukelt wird, das nicht ist. Mehr noch; Über Pestizide im Gemüse und Antibiotika im Fleisch beschweren sich alle, aber nicht über diese Unmengen an Geschmacksstoffen?

Wir entfernen uns von unserer Nahrung. So wie wir uns für das Schicksal des Tieres, dessen Überreste wir essen, nicht interessieren, so kaufen wir auch allerlei anderes Zeug, ohne über den Inhalt nachzudenken. Auf den Müslipackungen wird immer mit bunten Figuren geworben, ganz abgesehen von knalligen und unnatürlichen Farben im Produkt selbst; Wie zum Beispiel Kelloggs „Fruit Loops“. Wir scheren uns einen Dreck darum, was es eigentlich ist, denn es sieht hübsch aus.

Und doch setzen wir damit unsere Gesundheit aufs Spiel, die wiederum das Kostbarste ist, was unser Körper zu bieten hat und die es unbedingt zu bewahren gilt. Heute sind alle zu dick und zu dünn und haben Essstörungen und Diabetes, Bluthochdruck und ungesunde Cholesterinpegel, und ich will gar nicht wissen, was noch. Tja, schaut mal auf die Einkaufsliste.

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