Auf der Suche nach Freiheit

Dieses Gefühl: Wenn ich mir all das leckere Gebäck bei Tim Hortons angucke und mir sage: „Nein, das kannst du dir nicht leisten. Du musst sparen.“ Wenn ich Leute über Cheeseburger und Eis von McDonalds reden höre und mir sage: „Nein, du wolltest das nicht mehr essen. Denk daran, wie sie die Tiere behandeln!“ Wenn ich die Berge von Papier und Plastikverpackungen sehe, die wir bei der Arbeit unachtsam wegschmeißen und mich dann doch langsam frage: „Hat es überhaupt einen Sinn, hier etwas bewegen zu wollen?“Manchmal stehe ich einfach nur da und betrachte den Aufwand, den Leute betreiben, um meinen Ansichten entgegen zu stehen. Oder tue ich einfach alles, um den ihren entgegen zu stehen? Ist es richtig, dass ich das tue? Die ganze Welt scheint bedenkenlos ihr Leben zu leben, immer lächelnd, immer redend, mit der alles-in-Butter-Einstellung. Ich stehe daneben und empfinde doch alles als falsch. Sehe ich die Dinge zu ernst? Vielleicht macht es gar keinen Unterschied, ob ich die paar Dollar jetzt ausgebe, ob ich doch ohne Blick auf die Herkunft oder überhaupt Tierprodukte esse, ob ich das Kleinzeug jetzt wegschmeiße. Morgen interessiert es doch keinen mehr. Geld gibt’s notfalls von Papa, die Tiere verklagen mich eh nicht, der Müll landet sonstwo.

In solchen Momenten frage ich mich, ob mir nicht wie jedem anderen auch alles egal sein sollte. Ich gehe zu streng mit mir um; Ich habe mir in der Schule schon oft mehr Druck gemacht als meine Lehrer. Vielleicht übertrage ich diese Gewohnheit gerade auf den Rest meines Lebens? Oder habe ich Recht und bin einer der Wenigen, die es erkannt haben? Ich dachte, wenn ich mich von diesem gedankenlosen Umgang mit der Welt entferne, fände ich Freiheit. Anscheinend ist es umgekehrt.

Keine Tierprodukte, weniger Müll, weniger unsinnige Einkäufe nach Lust und Laune fühlen sich bisher nicht nach Freiheit an. Im Gegenteil; Ich glaube, es schränkt mich ein. Ich stehe da und sehe die anderen konsumieren und kann nicht vor mir selbst verheimlichen, dass mir ein Broiler wie damals bei Oma gerade unglaublich gut tun würde. Was hat es für einen Sinn, wenn ich mit mir selbst ringe? Kann ich mein ganzes Leben lang mit nur halbem Willen nein sagen und dabei glücklich sein?

Vielleicht wäre das alles viel einfacher, wenn nicht alle um mich herum derart achtlos konsumieren würden. Kanada bedeutet im Vergleich zu Deutschland keinen Kulturschock. Es ist zu vertraut, zu westlich, zu kapitalistisch. Es ist im Prinzip genau wie zu Hause, nur ein paar Details sind anders. Ich muss richtig weit weg gehen – kulturell gesehen -, um echte Freiheit zu finden; Bhutan, Französisch-Polynesien, Äthiopien oder wohin auch immer. Ich fürchte nur, dass ich lange brauchen werde, um diese Freiheit aufzuspüren.

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