Billig für alle!

Ich war eben mit meinem Mitbewohnern in den Staaten – Entschuldigung – in Amerika, wie man hier sagt. Das ist übrigens kein großer Aufwand, denn wir wohnen nur 100 Meter von der Brücke entfernt, die das kanadische und das amerikanische Niagara Falls verbindet. Und, wie war es? Auf den ersten Blick macht es keinen großen Unterschied, abgesehen davon, dass der amerikanische Teil der Stadt wesentlich durchschnittlicher daherkommt als der kanadische. Einen großen Unterschied gab es aber doch; Die USA sind für die Kanadier ungefähr das, was Polen für uns ist: Eine Oase der Tiefstpreise.Wir waren also zu guten Preisen essen und haben danach noch ein bisschen eingekauft. Hier mal ein Beispiel: Ich habe mir hier (in Kanada) bei einer bekannten Drogeriekette namens Shoppers zwei AA-Batterien für nahezu fünf Dollar für meine Kamera gekauft. Das sind also ungefähr 2,50$ pro Stück. Kurz danach ist mir aufgefallen, dass ich bei Dollarama nebenan selbiges für 2$, also 1$ pro Stück, bekommen hätte. Doch nun kommen die Amis: Bei Dollar Tree, die ihren Namen noch ernster nehmen als Dollarama, gab es bis zu acht (!) Batterien für einen einzigen Dollar; 12,5 Cent pro Stück. (Je nach Wechselkurs ist das ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger in kanadischem Dollar.)

Bei Dollar Tree gab es ebenfalls Parmesan für einen Dollar, der woanders für ungefähr sieben zu bekommen ist. Ich frage mich mittlerweile, zu wie viel Prozent es sich dabei um Käse handelt. Die Mehrheit unter uns mag diese Preise lieben, aber irgendwie hat mir das auch Angst gemacht. Es ist erschreckend, wie groß die Unterschiede sein können. Vor allem frage ich mich: Kommt das davon, dass sich Dollar Tree weniger Profit abgreift oder davon, dass sie einfach den Produzenten weniger bezahlen? Aller Wahrscheinlichkeit nach eher letzteres; Seit wann bemühen sich denn Läden, die mit Tiefstpreisen werben, um soziale Gerechtigkeit?

Das erinnert mich an die neuerliche Diskussion um Amazon; Ich habe das nur am Rande mitbekommen, aber es ging wohl darum, dass Amazon seinen Mitarbeitern und Zulieferern Hungerlöhne zahlt. Ich denke, hier ist es nicht anders. Irgendwo gen Ende der Nahrungskette schuftet und leidet jemand, damit wir unseren Analogkäse billig kaufen können.

Bei uns in Deutschland ist es da doch nicht anders; Legen unsere Supermarktketten nicht schon seit Jahren wert darauf, die Latte so tief wie möglich zu legen? In Deutschland sind Lebensmittel so billig wie kaum irgendwo auf der Welt; Beschweren tun sich trotzdem viele.

Vielleicht ist es auch alles nur Schau und Täuschung, wenn ich beabsichtigt teurere womöglich Bio- und Fair-Trade-Produkte kaufe, aber immerhin fühle ich mich damit besser. Ob das dann wirklich für irgendjemanden besser ist, ist eine andere Sache.

—–

Nachtrag: Der Parmesan schmeckt nach allem, nur nicht Parmesan.

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3 Gedanken zu „Billig für alle!

  1. Ich finde auch, dass das ein ganz schwieriges Thema ist. Bei den ganz billigen Sachen weiß man, dass für den Preis die Fairness nicht stimmt. Bei den ganz teuren, Fairtrade-Produkten sieht es hoffentlich besser aus. Doch was ist mit den Produkten mit mittelmäßigen Preisen? Darf ich da wenigstens ein etwas ruhigeres Gewissen haben, oder bleibt der gesamte Gewinn bei irgendeinem Zwischenhändler hängen? Schwierig zu beurteilen…

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