Nachdenk-Märchen: Von einem Seefahrer

Es war einmal ein junger Seefahrer, der der Mannschaft einer kleinen Handelsflotte zur Hand ging. Er und die gesamte Mannschaft waren in einem armen Land geboren und konnten sich glücklich schätzen, dem Kapitän ihres Schiffes und dem Admiral ihrer Flotte von Nutzen zu sein. Die Arbeit war hart und ermüdend, doch gab sie Heuer und Brot.Eines Tages wurde die Flotte auf eine lange Reise in ein weit entferntes Land geschickt. Die Männer schufteten hart, um die Schiffe vorzubereiten. Neues Segelzeug wurde gebracht, die Planken ersetzt, das Brot verstaut, das Fleisch gepökelt, das Pulver geladen. Die Reise begann und das Schiff ging durch Sonne und Regen, Sturm und Hagel, Schnee und Gewitter und stille See. Der Wind brauste und die Sonne brannte und nach Tagen endlich erblickten sie den lang ersehnten Hafen, in dem schließlich das Gut entladen wurde. Der junge Seefahrer blickte zum Kapitän, der auf der Brücke stand und über das Treiben wachte und sagte sich: „Wäre doch ich nur ein Kapitän wie er, mit meinem eigenen Schiff und einer eigenen Mannschaft. Dann müsste ich nicht mehr schuften wie ein Knecht.“

Einige Jahre später ging die Flotte noch immer auf Reisen. Der junge Seefahrer war älter geworden. Er war gewachsen, im Geiste wie im Körper. Er hatte Stürme überstanden, der See getrotzt und im Dienste des Kapitäns und der Flotte geschuftet. Nun stand er selbst in der Kapitänsuniform auf der Brücke und wachte über das Treiben auf dem Deck. Eine neue Reise in ein weit entferntes Land stand an und er hatte die Mannen anzuleiten. Er dirigierte den einen, befahl dem anderen, gebot einem Dritten und tat sein Bestes dabei. Endlich war das Schiff bereit und legte ab. Wie so oft ging es durch Sonne und Regen, Sturm und Hagel, Schnee und Gewitter und stille See. Der Wind brauste und die Sonne brannte und nach Tagen endlich erblickten sie den lang ersehnten Hafen. Einmal mehr hatte der Kapitän sein Auge auf der Mannschaft und dazu noch feilschte er mit dem Hafenmeister. Einmal blickte er zum Admiral und sagte sich: „Wäre doch ich nur ein Admiral wie er, mit meiner eigenen Flotte. Dann müsste ich nicht mehr schlagen mich mit dem Pöbel.“

Es war wieder ein paar Jahre später, da wurde die Flotte noch immer auf Reisen befehligt. Der Kapitän hatte Gefahren überwunden und Konflikte beseitigt, hatte der See getrotzt und im Dienste der Flotte dirigiert. Nun stand er selbst in der Admiralsuniform auf der Brücke eines seiner Schiffe. Er leitete die Kapitäne an, gab die Signale zum Laden, Ablegen, zur Formation und zum Kampf. Er nahm die Order des Königs entgegen und führte sie aus, und er tat seinen Dienst so gut er nur konnte. Noch immer ging die Flotte auf Reisen und wieder wurde sie über die See geschickt, um in einem weit entfernten Land Handel zu treiben. Einmal mehr wurden die Schiffe gerichtet und er hatte den Kapitänen ihre Anweisungen zu geben. Einmal mehr ging das Schiff durch Sonne und Regen, Sturm und Hagel, Schnee und Gewitter und stille See. Der Wind brauste und die Sonne brannte und nach Tagen endlich erblickten sie den lang ersehnten Hafen, in dem schließlich das Gut entladen wurde. Der Admiral steuerte die Kapitäne, er gab die Signale und wirkte nach der Order des Königs. Manchmal schweifte sein Auge über den Hafen und er sagte sich: „Wäre doch ich nur ein einfacher Seefahrer wieder, ohne Verantwortung und Bedeutung. Dann müsste ich nicht mehr schlagen mich mit des Königs Order.“

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