Wertschätzung.

Hier bin ich also, zurück in der Heimat. Nach zehn Stunden Flug und siebeneinhalb Stunden purem Vergnügen mit der Deutschen Bahn war ich wieder in der abgelegenen Heimat, Greifswald. Regen begrüßte mich, die Sonne hingegen hat sich ein paar Tage Zeit gelassen. Und sonst so? Hier ist alles wie immer, als wäre die Zeit stehen geblieben. Fast.Die Landschaft ist grün und die Rapsfelder strahlen gelb, in Greifswald wird renoviert und gebaut wo es nur geht. Der neue Busbahnhof sieht mit seinen neuen digitalen Anzeigetafeln tatsächlich nach 21. Jahrhundert aus und beim Bäcker gibt es jetzt WLAN. Meine Freunde überdenken immer noch oder mal wieder ihre Studienwahl, diesmal mit neuer Frisur. Das Bio-Brot im Supermarkt kostet 99 Cent anstatt fünf Dollar und die neuen Autokennzeichen sieht man immer öfter. Die Windräder drehen sich noch immer am Horizont, vor einem mittlerweile strahlend blauen Himmel, und unser Garten hinter dem neu gestrichenen Haus blüht und gedeiht. Warum ich das alles erzähle?

Ich habe auf meiner Reise ein Menge gelernt. Ich habe auch viele Leute kennengelernt, die sich in die Ferne gesehnt haben, anstatt das wunderbare Leben in ihrer Heimat anzuerkennen. Sie schauten nicht auf die majestätischen Berge und die rauschende See und idyllischen Kleinstädte wie ich es tat. Sie waren nicht fasziniert, sie waren eben schon immer dort gewesen.

Und nun komme ich zurück an einen Ort, den ich meine Heimat nenne und merke, wie wenig er geschätzt wird. Er ist zauberhaft für mich, weil ich so lange nicht hier war. Die Menschen hier sehen Hartz IV und Verfall, Leerstand und Abwanderung. Ich sehe Schönheit in jeder Hausfassade, in jedem Kleinwagen, in jedem Feld, in jedem Kopfsteinpflaster. Ich sehe die Straßen, die ich so oft gegangen oder gefahren bin, die für mich zum Alltag gehörten, und nun auf wunderbare Art und Weise wieder in mein Leben getreten sind.

Geht nach Mallorca, wenn ihr wollt. Zieht nach Berlin, wenn es euch dort besser geht. Träumt von Brasilien oder Schweden, wenn es euch gefällt. Aber haltet doch bitte für einen Moment an und richtet euren Blick auf das, was um euch herum ist. Bitte schätzt eure Heimat!

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