Das Leben auf dem Rücken

Tja, nun bin ich wieder daheim. Wieder zurück in meinem warmen Bett, im Haus meiner Eltern. Wieder zurück in der Heimat, wo das Leben billig und das Bier gut ist, wo Brot dunkel und das Leben sorglos ist. Zumindest sollte es das sein.Als ich heim kam, hat mich mein Zimmer fast erschlagen. So voll. So viele Dinge, die ich ein Jahr lang nicht gebraucht habe. Brauche ich sie also überhaupt noch? Ein überquellender Kleiderschrank, ein Computer mit Umlauten auf der Tastatur und die hölzernen Lautsprecher mit dem schönen Klang warten auf mich. Drei paar Kopfhörer hängen dort, und die zwei kleinen liegen unter dem Schreibtisch. Eine Reihe DVDs steht hier, Bücher füllen den Schrank dort und darauf verdrängt der Drucker die letzte Luft. Mama kocht, Papa geht wie eh und je gefühlte 24/7 arbeiten, Oma schenkt mir Sachen, die ich nicht brauche. Das Haus ist voll, doch ich bin leer.

Nun sitze ich hier. Vor meinem Laptop mit seinen Umlauten und Windows 7 und anständigem Bildschirm und drei installierten Versionen von Anno und schreibe diesen Text. Ich bin erschöpft. Nicht etwa von der Reise, von den ersten drei Wochen in der Heimat bin ich erschöpft. Solch ein Überfluss herrscht hier. Solch ein Überfluss herrscht selbst im ärmsten Bundesland der Welt. Draußen wird viel gebaut; In Greifswald sieht man jetzt überall Baugerüste. Das Leben läuft wie immer, gleichgültig meinem Abenteuer und meinen Erkenntnissen gegenüber. „Die Sonne lacht so schadenfroh an Tagen wie diesen.“

Und schön sieht es alles aus. Gut geht es den Menschen. Besser als letztes Jahr, wie ich finde. Mehr Leute können sich ihr Häuschen bauen und Mercedes fahren. Doch ich will das doch alles nicht. Ich muss mich jetzt um die nahe Zukunft kümmern; Ausbildung in Rostock. Das heißt: Wohnung finden, hinfahren und angucken, Smalltalk führen, bezahlen. Eine stupide Arbeit finden, damit ich mich gegenüber Papa nicht so schlecht fühle und selbst etwas verdiene. BAföG beantragen, gegen die Bürokratie kämpfen, verlieren. Neue BahnCard beantragen, in die Rente einzahlen. Und dann geht es erst los mit der Ausbildung. Zweieinhalb Jahre festsitzen. Papa möchte, dass ich noch Bachelor- und Master-Studien anhänge. Großartig.

Das Leben ist so viel einfacher, wenn man alles, was man besitzt, auf dem Rücken trägt.

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Ein Gedanke zu „Das Leben auf dem Rücken

  1. Wow. Deine Schreibweise, oder besser, dein Blick in & auf die Welt sowie auf dich und dein Leben, auch wie du formulierst , fasziniert mich auf eine Art, die ich noch nicht wirklich begreifen kann. Vieles davon kommt mir überaus vertraut vor… erlebte und lebe immer noch ähnliche Szenarios. Als würdest du mein Leben beschreiben. – Dabei kennst du mich doch gar nicht! – einfach, wow!

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