Von der Kunst des Akzeptierens

Gestern wurde mir auf Facebook dieses Video zuteil. Es ist sicher lustig gemeint, aber vor allem jetzt nach meinen Erfahrungen in Kanada fangen solche Dinge ernsthaft an, mich zu nerven. So sehr Leute Spaß daran zu haben scheinen; Klingen wir denn ernsthaft alle wie Oberkommandanten? (Von den Lederhosen im Video mal ganz zu schweigen…)

Es ist nicht so, dass wir von allen gehasst würden. Die meisten Leute finden es einfach nur lustig, dass Deutsch ihrer Ansicht nach so harsch klingt. Das habe ich schon so oft gehört, viel zu oft. Aber, wie ein schlauer Mann einmal sagte: „Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.“ (Anatole France) Woraus zu schließen wäre, dass sie allesamt unrecht haben.

Trotzdem bleiben die Vorurteile. Es existieren viele davon, vor Allem unter uns europäischen Völkern, wie momentan hier nachzulesen ist. Anscheinend hassen Dänen Deutsche. Anscheinend hassen Spanier Franzosen. Anscheinend dieses, anscheinend jenes. Und anscheinend tragen wir alle Lederhosen. Könnten wir nicht alle unseren Grips zusammenlegen und solches Gerede begraben? Anscheinend nicht.

Es kann doch nicht sein, dass wir uns Gleichberechtigung auf allen Ebenen hingeben, uns aber trotzdem nicht trauen, diese armseligen und mittelalterlichen Vorurteile abzulegen. Wenn die Eltern- und Großeltern-Generationen von heute einfach nur aufhören würden, ihren Kindern und Enkeln derartige Lästerungen über andere einzubläuen, wäre dieser Fluch von heute auf morgen abgelegt.

Man muss sich immer vor Augen führen, dass Krieg und Hass nicht von ungefähr kommen. Sie beruhen auf Differenzen, Meinungsverschiedenheiten, Ideologien oder genauer: Konflikte bauen darauf, dass Leute einander nicht leiden können für Unterschiede die sie nicht akzeptieren wollen. Verbindet man aber Soziologie und Biologie, so kommt man sehr schnell zu der Erkenntnis, das Artenvielfalt auch in Sachen Kultur nur Gutes bewirkt – wenn wir uns darauf einlassen.

Auch das Projekt EU wird durch solche Hindernisse nicht vereinfacht. Wenn griechische Demonstranten und britische Zeitschriften Frau Merkel in Wehrmachtsuniform karikieren, läuft da etwas falsch. Und selbst nett gemeinte Anspielungen in Zeichnungen und Texten können sich zu gefährlichen Geschwüren auswachsen, selbst wenn das Jahrhunderte dauert.

Wir müssen uns dringend darauf besinnen, wie viel Wert unsere Mitmenschen haben und lernen, dass wir nicht immer Recht haben. Kulturen sind von Unterschieden geprägt, sie werden von ihnen definiert. Darin liegt nichts Falsches, wir müssen nur lernen, sie zu akzeptieren.

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3 Gedanken zu „Von der Kunst des Akzeptierens

  1. wenn es die ansicht von vielen menschen ist, dass deutsch harsch klingt, dann haben sie nicht unrecht, sondern dann ist es ihre ansicht, oder nicht?

  2. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass nicht die deutsche Sprache an sich harsch klingt, sondern die „ausländische“ Aussprache der deutschen Sprache. Ich hatte mal genau diese Diskussion mit ein paar Spaniern, die mich eben fragten, warum Deutsch so harsch sei – ihr Beispiel war der Name des berühmten Rennfahrers „Michchkkaelll Tschumachkcha“. Ich habe denen dann versucht klarzumachen, dass der Name „Michael Schumacher“, von einem Deutschen ausgesprochen, durchaus weich klingt (probiert’s aus!). Aber was die im Fernsehen hören, ist halt die von einem spanischen Reporter ausgesprochene Version.

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