Zwischen neuem und altem Leben

Nun bin ich also offiziell nach Rostock umgezogen. Ich bin zwar noch Zuhause gemeldet, aber verlege mein Leben so langsam in die große Stadt. Warum nenne ich Greifswald also immer noch mein Zuhause? Zuhause ist eben, wo mein Herz ist. Und das ist bisher noch nicht umgezogen.

Eine schöne WG habe ich da eigentlich. Ein ganzes Haus ist es; mit Dachterrasse, Balkon, einer kleinen Bibliothek und hauseigener Bar. Ja, eine hauseigene Bar. Eine schöne Gegend ist es eigentlich auch. Stadtmitte; nicht weit von Warnowufer, KTV und Südstadt, dort wo das Leben tobt. Aber trotzdem eine ruhige Straße, also gut zum Studieren.

Und doch bin ich gestern nach Hause gekommen – um ein paar mehr Sachen mitzunehmen und ein paar Freunde zum letzten Mal zu sehen – und fühle mich erst beim Anblick Greifswalds wieder glücklich. All die bekannten Ecken und Läden rauschen an mir vorbei während ich im Bus sitze und das Haus meiner Eltern strahlt golden im Nachmittagslicht.

Wenn ich daran denke, dass ich nun wieder zurück muss nach Rostock; In dieses große Wirrwarr aus alten Häusern, Sowjethäusern und neuen Häusern; Straßenbahnen; S-Bahnen, die einst im Schönefeld Airport Express gedient haben und deren Äußeres noch immer davon kündet; FCH-Aufklebern und Kaum-Großstadt-Ambiente. Ich möchte gerade gar nicht.

Aber vielleicht ist das auch zu früh geurteilt. Immerhin hat die Schule noch nicht einmal angefangen. Immerhin kenne ich noch nicht einmal alle meine Mitbewohner. Ja, und wirklich kennengelernt habe ich auch noch nicht viele. Vielleicht muss ich mich erst einleben. Beginnt nun also das Studentenleben; Trinken, Feiern, und das Andere? Jeden Tag verkatert, nebenbei ein Teilzeitjob, um meine Eltern etwas zu entlasten?

Genau, meine Eltern bezahlen es auch noch. Bezahlen mir das teure Programm, das ich mir da ausgedacht habe und murren gar nicht. Und ich bin nicht einmal glücklich damit. Zumindest vorläufig nicht, damit kann ich mich trösten. Ist das die Erkenntnis, dass ich doch etwas anderes machen sollte? Vielleicht gehe ich hier einen falschen Weg?

Und doch gibt es einen falschen Weg gar nicht. Jeder Weg ist zumindest eine Erfahrung. Falls ich daraus lernen sollte, dass mir diese WG/diese Stadt/diese Ausbildung nicht gefällt, habe ich zumindest das gelernt. Im Falle des letzteren wäre es allerdings schade um das Geld.

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