Ein Fehler im System

Nun bin ich also bereits seit drei Wochen wieder in der Schule. Spanisch ist wie erwartet mein vorläufiges Lieblingsfach und Wirtschaftslehre ist wie erwartet vorläufig am trockensten. Ich wollte nicht schreiben „am langweiligsten“, denn an diesem Fach stoße ich mich manchmal. Und das nicht, weil es eben trocken ist, sondern weil dabei an manchen Stellen Dinge gelehrt werden, die meiner Einstellung ein bisschen zuwiderlaufen.

Teil der Grundlagen war zum Beispiel die Bedürfnispyramide nach Maslov. Ganz unten stehen dabei die Grundbedürfnisse (Nahrung, Schlaf), darüber das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit, dann kommen die sozialen Bedürfnisse (Kontakt, Zusammengehörigkeit), dann die Ich-Bedürfnisse (Ehre, Status, Leistung) und zuletzt und ganz oben das Bedürfnis der Selbstverwirklichung. Unser Lehrer hat dazu ein Beispiel von einem Freund erzählt, der bereits in Rente ist und für sein Leben mehr als gut ausgesorgt hat, trotzdem aber noch einen Laden betreibt, in dem er verschiedenste Olivenprodukte verkauft.

Mein Lehrer hat mit erklärt, dass er damit – gemäß der Bedürfnispyramide – zuerst seine Grundbedürfnisse und dann der Reihe nach alle anderen befriedigt. Meine Ansicht ist aus Prinzip umgekehrt: Er tut etwas, das er liebt und verwirklicht sich damit selbst. Alle anderen Bedürfnisse werden daher von oben nach unten gestillt, was offensichtlich dem starren Modell aus den Büchern zuwider läuft.

Bringt man das auf eine allgemeinere Ebene, erkennt man schon, wohin ich möchte: Nachdem ich so viele Blogs und andere Seiten gelesen habe, die mir erklären, dass ich tun soll, was ich liebe, passe ich mich nun nur schwerlich in diese Logik ein. Ich möchte nicht behaupten, dass die Wirtschaftslehre unrecht hätte, wenn sie sagt, dass die Bedürfnisse, die in der Pyramide genannt werden, von unten nach oben befriedigt werden (können). Nur bin ich der Ansicht, dass es (vielleicht) viel besser wäre, den umgekehrten Weg in Betracht zu ziehen, der laut dieser Theorie ausgeschlossen ist.

Genauso ging es mir mit der Grundlage der Wirtschaftslehre: das Stillen von Bedürfnissen. Auch die klare Feststellung, dass Güter nie aber Bedürfnisse immer unendlich sein können, ruft anscheinend nicht den kleinsten Zweifel an dieser Theorie hervor. Obwohl zwischen existenziell notwendigen und Luxusgütern unterschieden wird, besteht wohl kein Zweifel daran, dass diese Bedürfnisse trotzdem gestillt werden müssen.

Der schiere Gedanke, Bedürfnisse nicht stillen sondern beseitigen zu wollen, scheint noch keinem Ökonomen durch den Kopf gegangen zu sein. Zumindest habe ich diesen Eindruck von der Logik, die mir vorgetragen wurde. Vielleicht findet sich darin ganz grundlegend die Antwort darauf, warum der Kapitalismus heute auf menschlicher und ökologischer Ebene derart versagt; Der Kapitalismus schaut nicht auf das, was wichtig ist, sondern auf das, was gewollt wird.

Es scheint mir ein grundsätzlicher Fehler in der Denkweise zu sein. Dieser Fehler – so möchte ich das ganz frech nennen – wird gelehrt und weitergegeben und bildet die Grundlage für das System, das die Erde umspannt und ganz offensichtlich mangelhaft ist. Wobei das sicher nicht der einzige Fehler ist.

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