Zwischen neuem und altem Leben

Nun bin ich also offiziell nach Rostock umgezogen. Ich bin zwar noch Zuhause gemeldet, aber verlege mein Leben so langsam in die große Stadt. Warum nenne ich Greifswald also immer noch mein Zuhause? Zuhause ist eben, wo mein Herz ist. Und das ist bisher noch nicht umgezogen. Weiterlesen

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Nachdenk-Geschichte: Im Behandlungszimmer

Mit gerunzelter Stirn schaute der Arzt auf die Ergebnisse der Blutuntersuchung. Die Patientin zitterte auf der Liege vor sich hin, teils aus Furcht, teils aufgrund ihrer Krankheit. Der Arzt murmelte etwas. „Wie sieht’s denn nun aus?“, fragte die Patientin zögerlich. Der Arzt sah auf. „Hm, wir haben es hier mit einer äußerst seltenen Krankheit zu tun. Das trifft bestimmt nur einen unter einer Million.“, sagte er nachdenklich. Die Patientin schreckte auf. „Aber ist es denn gefährlich?“, fragte sie mit spitzer Stimme. „Nun ja“, sagte der Arzt mehr zu sich als zu ihr. „Es scheint, als würden Sie einen langen Leidensweg gehen müssen.“ Für einen Moment herrschte Stille. „Ist es tödlich?“, fragte sie mit Nachdruck. „Nein.“, erwiderte er. „Nein, in der Regel besiegt sich diese Krankheit irgendwann selbst. Die Frage ist nur wann.“ Die Patientin schien ein bisschen beruhigt. „Können Sie denn etwas tun, Herr Doktor?“, fragte sie leise. Er verneinte wieder. „Es ist extrem schwer, dagegen vorzugehen. Wir haben es hier mit einem äußerst gewieftem Parasiten zu tun.“ Er sah sie direkt an. „Das wird schmerzhaft werden für Sie, sehr schmerzhaft sogar. Aber es wird Sie nicht töten. Vielleicht endet es auch schon morgen, vielleicht erst in Jahren. Es ist extrem schwer, das vorauszusagen.“ Die Patientin bewegte sich nervös. „Aber… Aber wenn dieser Parasit so schwer zu bekämpfen und einzuschätzen ist, warum tötet er sich am Ende selbst?“ Der Arzt schnaufte kurz in einem Anfall von Lachen. Die Patientin schaute ihn mit großen Augen an. „Das ist eine sehr gute Frage. Es mag von Dummheit zeugen, wobei es selbst für mich unerklärlich ist, wie sich derartiges miteinander vereinbaren lässt.“, erwiderte er. „Nun gut“, fuhr er fort. „Wie schon gesagt, ich kann nichts für Sie tun. Diese Krankheit ist unberechenbar und nicht zu bekämpfen. Aber sie geht von allein vorbei, glauben Sie mir. Mit etwas Glück schon bald; Zumindest scheint der Parasit bereits im Endstadium zu sein.“ Die Patientin nickte nervös. „In Ordnung“, sagte sie. „Danke, Herr Doktor.“ Die Erde machte Anstalten, das Behandlungszimmer zu verlassen, aber als sie in der Tür stand, drehte sie sich noch einmal um. „Herr Doktor, wie nennt sich dieser Parasit eigentlich?“ „Mensch“, antwortete er.

Nachdenk-Geschichte: Vor und zurück

Der Horizont schwang auf und ab. Im Takt zur Schaukel; vor, zurück, vor, zurück. Vielleicht stand ich still. Vielleicht waren es in Wirklichkeit die Berge, die sich auf und ab bewegten. Die Bäume schwangen beherzt mit. Die ganze Welt war in Bewegung. Vor, zurück, auf, und ab.

Unter mir tat sich der Abgrund auf. Immer, wenn ich nach vorn schwang, kamen die Bäume in Sicht. Dann verschwanden sie wieder hinter dem Felsvorsprung. Dann kamen sie wieder. Was würde passieren, wenn ich losließe? Wer finge mich auf? Ein soziales Netz? Ironman? Die Lebensversicherung? Nein, das alles existierte hier nicht. Da war nur ich, über dem Wald, in der Luft, mit klarem Blick auf die Welt, auf den Horizont. Weiterlesen

Leben für Anfänger

¡Hola! Die neuen Schulbücher sind da. Wirtschaftslehre sieht zwar wie erwartet mäßig hypnotisierend aus, aber das Buch für Spanisch fetzt. Wobei das sicher weniger am Buch liegt und mehr an der Tatsache, dass es sich hier um eine neue Sprache handelt. Meine Finger haben vor Glück angefangen zu kribbeln. Weiterlesen

Nachdenk-Geschichte: Die Mütze

Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, kämpfte er sich den Fußweg entlang. Er sah aus als wäre er nicht auf dieses Wetter vorbereitet gewesen, obwohl es doch schon seit Tagen keine Veränderung gegeben hatte. Tiefschwarze Wolken hingen über der Stadt, deren Gebäude ebenso tiefschwarz zurück starrten. In jeder Richtung war der Himmel von Wolken gesäumt, sodass sie selbst der starke Wind nicht bewegen konnte. Das Schauspiel mutete an wie eine Belagerung und die Geschosse waren eisige Tropfen, die in endlosen Reihen alles trafen, was nicht Schutz gesucht hatte; Autos, die am Straßenrand vor sich hin rosteten, Ampeln und Straßenlampen, die mit ihren blassen Lichtern in die Leere starrten, und die wenigen Menschen, die sich auf die Straße wagten. Von einem Wohnzimmerfenster aus mit einem heißen Tee in der einen und einem Buch in der anderen Hand wäre es ein seltsam schönes Schauspiel gewesen. Wäre es nicht nur seit fünf Tagen schon das selbe. Weiterlesen